Pet Shop Boys in Chemnitz

Zwanzig nach 7. Mit Bleifuss und unter Mißachtung einiger Geschwindigkeitsbegrenzungen bin ich nach Chemnitz gedüst und dann steht da eine Mörderschlange vor zwei geöffneten Türen der Stadthalle, an der alle anderen Eingänge verrammelt und verlassen aussehen. Die Zeit zum Anstehen reicht jedoch kaum für eine letzte Kippe vorm Konzert, es geht also wirklich zügig voran. Dafür trete ich dann in einen noch fast völlig leeren Innenraum, es sind vielleicht 200 Leute über die Halle verteilt. Könnte gemütlich werden, aber es ist ja noch Zeit.

Um fünf vor 8 stehe ich in der siebten oder achten Reihe vor der Bühne, hinter mir drängen sich jetzt die Besucher im Innenraum, auch der Balkon ist fast komplett belegt. Mir fällt mein letzter Besuch eines Pet Shop Boys-Konzertes Ende der neunziger Jahre ein; der Auftritt begann eine reichliche dreiviertel Stunde zu spät, weil die Technik für das Videointro ausgefallen war. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß es auch diesmal mit Verspätung losgehen wird.

Knapp 15 Minuten warten wir diesmal, doch es beginnt furios. Auftritt der Tänzer, gekleidet in schwarzen Frack und Zylinder oder Basecap und neongelbes Sweatshirt. Die Boys betreten als letzte die Bühne, Neil Tennant in ebenjenem schwarzen Frack, Chris Lowe mit Basecap und neongelbem Sweater. Shortintro ist „We’re the Pet Shop Boys“, wobei der Refrain in Deutsch gesungen wird. Und damit haben sie uns. Der Saal tobt, alles klatscht und singt mit.

Es folgen zwei Stunden in bester Pet Shop Boys-Manier – ein Mix aus alten und neuen Songs des letzten Albums, ein perfektes Bühnenbild aus Licht und Videoeinspielungen, phantastische Tänzer und Backgroundsänger sowie die großartige Stimme von Sue James, all das dargebracht mit einer Perfektion, für die ich die Jungs wirklich liebe. Neils Stimme ist laut und klar, er klingt besser als auf irgendeiner Platte. Er muß bei einigen Songs sehr gegen uns ansingen, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Chris Lowe tut, was er immer tut – scheinbar stoisch hinter Keyboard und Bildschirm stehen und einfach nur sein Ding machen.

Auf dem Weg zurück zum geparkten Auto finde ich mich plötzlich hinter einer Absperrung, aus der es kein Entkommen gibt, und vor einer Tür wieder, die sich durch Herumfragen als Künstlerausgang entpuppt. Na gut, vielleicht kritzeln sie ja was auf meine Eintrittskarte… Nach einer knappen dreiviertel Stunde stehe ich mit ca. 150 Leuten hinter der Linie, die Security nimmt sich zu wichtig, verbietet Film- und Fotoaufnahmen, und dann sind sie da. Sie geben vielleicht 20 Leuten, die am lautesten kreischen, Autogramme, dann entschwinden sie mit ihrem Manager in einem schwarzen Phaeton in der Chemnitzer Nacht. Ich bin leider nicht unter den Glücklichen, die ein Kringel abbekommen haben.

Es war wie immer genial. Ich habe laut mitgesungen, geklatscht, fotografiert, mitgetanzt. Völlig unmotiviert singe ich tagsüber herum, irgendwie bekomme ich nicht genug. Und wer weiss, wann sie wieder auftreten, wir werden schließlich alle nicht jünger. 🙂

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